Deutscher Start-up-Monitor 2019: Mitteldeutsche Gründer fordern besseren Zugang zu Investoren und mehr Vermittlung von Gründungswissen

Die Befragten sind sich einig: Es sollte auf Bundes- und Länderebene mehr dafür getan werden, Gründungen in Mitteldeutschland voranzutreiben. Diese grundlegende Erkenntnis lässt sich aus den Ergebnissen des Deutschen Start-up-Monitors (2019) ziehen, wo – wie in jedem Jahr – Selbstständige die Lage in Deutschland hinsichtlich Gründungen einschätzen können. Zwar fielen die Bewertungen von Bund und Ländern besser aus als noch 2018, bleibt doch noch einiges an Potenzial zur Optimierung für die Zukunft.

Die Befragten in den neuen Bundesländern Thüringen, Sachsen und auch Sachsen-Anhalt vergaben die geringste Punktzahl an die Regierung beziehungsweise an ihre jeweiligen Landesregierungen. Neben der kritischen Punktvergabe wurden ebenfalls konkrete Vorschläge zur Verbesserung des Gründungsklimas unterbreitet. Regulatorische Hürden sollen abgebaut (66,4 %), die Kapitalbeschaffung optimiert (42,4 %) und zum Beispiel auch die Gründung mit Familie vereinfacht werden (16,1 %).

Mitteldeutschland: Spannender Raum für Gründungen

Mitteldeutschland hat gegenüber anderen deutschen Regionen eine Reihe an Standortvorteilen zu bieten. Zu ihnen zählen die direkte Nähe zu Hochschulen, weswegen es einen ständigen Strom von Alumni mit wirtschaftlichen und/oder naturwissenschaftlichen Abschlüssen gibt – die Gründer der Zukunft. Vier von fünf GründerInnen besitzen einen Hochschulabschluss – es ist also davon auszugehen, dass Regionen mit Hochschulen Gründungen begünstigen. Schaut man sich die dominierenden Studienfächer unter den Gründern an, sind Wirtschaftswissenschaften und MINT-Fächer wie auch im Vorjahr Spitzenreiter, obwohl GründerInnen mit einem Abschluss in BWL, VWL oder ähnliches um knapp drei Prozentpunkte weniger vertreten waren als noch 2018. Es wird vordergründig in der Informations- und Kommunikationstechnologie gegründet, allerdings sind die Gründer nicht die Macher – der Anteil der Gründer mit einem Abschluss in Informatik, Computer-Science oder Mathematik ist rückläufig. Da die meisten GründerInnen einen akademischen Abschluss haben, lohnt sich ein Blick auf die Verteilung nach Hochschulen.

Welche Universitäten bringen besonders viele Gründer hervor?

Die TU München bringt mit 3,2 Prozent der befragten Gründer die meisten Startup-Founder hervor. Gefolgt wird sie von der Ludwig-Maximilians-Universität in München (2,5 %) und dem Karlsruher Institut für Technologie (2,5 %). Von den Top-10-Gründer-Universitäten befindet sich keine in Mitteldeutschland und neun von zehn sind in den alten Bundesländern angesiedelt, nur eine Hochschule befindet sich in Berlin. Mitteldeutschland punktet also nicht besonders in der Wissensvermittlung an zukünftige Gründer.

Allerdings gibt es laut dem Startup-Monitor durchaus kleinere Unis (auch in Mitteldeutschland), die gute Projekte anbieten und potenzielle Gründer mit Unternehmerwissen schulen. So beispielsweise die HHL Leipzig Graduate School of Management mit 750 Studierenden.

Mitteldeutschland als günstiger Standort für junge Unternehmen

Die Region Mitteldeutschland hat neben den Startup-Hochburgen, wie München oder Berlin, gute Voraussetzungen für Unternehmensgründer. Da sind beispielsweise die relativ günstigen Lebenshaltungskosten in Städten wie Dessau, Gera, Leipzig und Halle – sowohl für Singles als auch für Familie. Anschaulich dargestellt ist das auf dieser interaktiven Karte, auf der nicht nur Gehälter und Mieten in 30 deutschen Städten verglichen, sondern auch Kosten für die Kita, die Monatskarte und zum Beispiel für Kinobesuche gegenübergestellt werden. Es sind fünf verschiedene Familienmodelle auswählbar, sodass Menschen in unterschiedlichen Stadien ihres Lebens die Karte nutzen können.

Beispielhafter Vergleich der Lebenshaltungskosten eines Singles in Berlin, München und Jena:

Eingesparte Kosten als wichtiger Standortfaktor für Mitteldeutschland

Dank der bereits erwähnten günstigen Lebenshaltungskosten in Mitteldeutschland überlegen viele hoch qualifizierte Absolventen zweimal, ob sie die Region verlassen. Davon können Start-ups profitieren, da die Mieten für Office Space verhältnismäßig niedrig sind und sich aufgrund geringerer Gehälter auch Personalkosten einsparen lassen. Das klingt erst einmal nicht allzu gut für Arbeitnehmer, allerdings bleibt die Region dennoch attraktiv, denn der Anteil der Lebenshaltungskosten am Gesamteinkommen in Großstädten wie Berlin, Hamburg und München ist viel größer, als es in mitteldeutschen Städten der Fall ist.

Ein Beispiel: Arbeitnehmer, die in Gera in einer zentralen Einraumwohnung als Single leben, müssen von ihrem Einkommen nur 34,15 Prozent für Lebenshaltungskosten wie Miete, Monatskarte, Internet und Co. ausgeben. Zum Vergleich: In Berlin sind es 46, 42 Prozent, in München sogar 49,35 Prozent.

Auch für Familien erweisen sich Städte in Mitteldeutschland dank niedrigerer Mieten und geringeren Gebühren für private Kita-Plätze als lohnend. Was Gründern jedoch fehlt, ist der Zugang zu Investorengeldern und eine bessere Vermittlung von Gründungswissen.

Deutscher Start-up-Monitor 2019: Mitteldeutsche Gründer fordern besseren Zugang zu Investoren und mehr Vermittlung von Gründungswissen
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